ICT in der Flüchtlingskrise

Die Welt digitalisiert immer mehr. Fast jeder besitzt Laptops und Smartphones und ohne Emailverkehr würde nichts mehr laufen. Probleme werden in den meisten Fällen digital gelöst und es kommen jeden Tag neue Technologien auf den Markt, die uns das Leben erleichtern sollen. Da ist es kein Wunder, dass auch in der Flüchtlingshilfe neue, digitale Technologien verwendet werden. Sie werden im Allgemeinen als ICT (information communication technology) bezeichnet und sollen Flüchtlingen auf ihrer Reise Unterstützung und Orientierung liefern. Doch was bringen diese Systeme wirklich und in wie weit werden sie von den Betroffenen genutzt?

Mit dieser Frage hat sich eine Feldstudie im Auftrag von BMZ und GIZ beschäftigt, deren Ergebnisse unter dem Titel ICT4Refugees – A report on the emerging landscape of digital responses to the refugee crisis im Frühjahr 2016 publiziert worden sind (http://www.betterplace-lab.org/wp-content/uploads/ICT4Refugees-Report.pdf). Das Ziel der Studie war sowohl die Seite der Entwickler und Projekte, als auch die Seite der Flüchtlinge zu verstehen und die Effektivität der ICT zu prüfen, sowie eventuelle Bedarfslücken aufzudecken. Dabei stand vor allem der „Reality-Check“, das heißt, der tatsächliche Grad der möglichen Anwendungen einzelner Angebote im Vordergrund. Die Autoren führte dazu Interviews in drei verschiedenen Ländern (Jordanien, Türkei, Griechenland) durch und erstellte eine Auflistung der ortsspezifischen Parameter.

Das Feld der Entwickler und Projekte setzte sich sowohl aus schon vorher in diesem Bereich etablierten, als auch völlig neuen Gruppierungen zusammen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektentwicklung war jedoch in beiden Fällen ein vorhandenes und realistisches Verständnis für die Bedürfnisse der Flüchtlinge. Es stellte sich heraus, dass es eine hohe Nutzungsrate von Smartphones unter allen Flüchtlingen in allen drei Gebieten gibt. Emails hingegen werden weniger bis gar nicht zur Kommunikation verwendet. Den meisten Flüchtenden war besonders die Sicherheit der Kommunikation besonders wichtig, sodass fast alle befragten Menschen ihre Informationen aus vertrauensvollen Whatsapp- oder Facebook-Gruppen bezogen. Aus diesem Grund empfehlen die Autoren in erster Linie keine neuen Apps und ICT Software zu entwickeln, sondern mit dem zu arbeiten, was schon vorhanden ist, bestehende Programme anzupassen und zu verbessern. Des Weiteren wäre ein Zugang zu solchen Programmen über WhatsApp oder Facebook, der die Angebote eher zu den Bedürftigen bringen kann, sowie eine vereinfachte Bedienung von Vorteil. Ein wichtiger Punkt für viele Betroffene ist der Datenschutz. Viele User haben Angst, dass wenn ihre persönlichen Daten in falsche Hände geraten. Bewusstsein und Expertise beim verantwortungsvollen Umgang mit Daten wird als sehr wichtig herausgestellt. Auf Seiten der vielen unterschiedlichen Projekte ist es ratsam, den Austausch und die Zusammenarbeit zu fördern, um optimal auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge eingehen zu können. Zusammen können große und kleine sowie neue und etablierte Unternehmen die bestmögliche Hilfestellung liefern.